Frustfrage Torwart/Stürmer

Kicker Schusstechniken, Tricks und Spielverhalten
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patritsch
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Beitrag von patritsch » 04.04.2008, 15:36

Alle Achtung, da sieht man wirklich eine deutliche Verbesserung! Kannst Du ungefähr sagen, wie oft und wie lange Du trainierst (ohne Spiele)?

SteveT5R
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Beitrag von SteveT5R » 07.04.2008, 09:21

Moin,

ich muss vorweg schicken, dass ich (im Vergleich zu anderen) glaube ich nicht sooo viel Talent mirbringe, was heisst dass ich eben viel trainieren muss (und tue).

Über die Woche verteilt, trainiere ich im Schnitt 3/4 - 1 Stunde am Tag (mal mehr mal gar nicht ab und zu zwickt es im Arm :-))

Hier ging es ja um den RL, alles Andere muss ja auch geübt werden....

Grüße,

Steffen

P.S.. Muss dazu sagen, dass ich erst seit gut einem Jahr überhaupt spiele und seit Sep. 07 einen eigenen Kicker habe....

Silvio M.
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Beitrag von Silvio M. » 16.04.2008, 15:13

In der Sportwissenschaft hat sich gezeigt, das man 3 Spielertypen unterscheiden kann, wobei der Einzelne irgendwo zwischen den Extremen hängt.

1. Stratege

schnelle und detaillierte Erfassung einer Spielsituation, aktive Gehirnareale(Denken, Wahrnehmen, Vorstellen, Antizipieren) und deren Verarbeitung. Dafür leiden die motorischen Gehirnareale.

Die Situation wird erschlossen und die Aktion vorbereitet, die Ausführungsschnelligkeit leidet.

Der Statege zeichnet sich aus durch: flexibilität (Konzentration eng und weit, Umstellung Angriff zu Abwehr, Kreativität)

Im Fussball ist es der Mittelfeldspieler. Beim Tischfussball bspw. gut im Erfassen von Wiederholungen, Ansätzen, Blocken und fischen falls antizipierbar (wenn du dich in Gegner versetzten kannst hast du ihn völlig). Reflexe sind weniger gut.

2. Motoriker

Schnelle Bewegungen und Durchsetzungsfähigkeit. Konzentration liegt auf motorische Handlung.
Folge: verengte Wahrnehmung, d.h. komplexe Signale werden langsam verarbeitet. Situation wird als Bild erfasst und Aktion wird anhand einer vorher gefassten Zielstellung entschieden. Die kurzen Denkabläufe erklären die schnelle Reaktion.

Im Sport oft der Stürmer oder der reaktive Verteidiger

3. Der Schematiker

Gewohnheitstiere, "Kopf durch die Wand". Erfolgreiches Handeln in der Vergangenheit erzeugt ideenlose unbewegliche Denkmuster. Anpassung an neue Situation erfolgt nur schwer.

Im Tischfussball der "ewige Amateur"


Der Stratege ist also gut im komplexen entscheiden, der Motoriker im schnellen ausführen, Der Schematiker einfach nur mist.

Leider braucht man im Tischfussball auf beiden Positionen Entscheidungskompetenz und motorische Reflexe und Schnelligkeit. Je nachdem wie sehr ein Spieler sich zu einem Extrem gezogen sieht kann man allerdings sein Sytem ausrichten. Ein Motoriker wird mit einem Schusssytem das auf maximale Schnelligkeit und große Löcher (Langsystem) setzt sehr gut zurechtkommen kombiniert mit einem Gucksytem das darauf beasiert das man sich den Schuss vornimmt und entweder auf das Loch schnell reagiert oder eine Figurenbewegung. Probleme hat er oft wenn der Gegner ein Timing hat das dies sehr schwer macht. Besonders schwer wenn er noch teils Schematiker ist und nicht bereit sich umzustellen.
Bsp. Rechtslangschütze aus dem Stand starker Motoriker, teils Schematiker. Präferiert aus Erfahrung den Langen. Haut die ersten paar rein weil Bewegungen des Verteidigers zu langsam oder zu selten auf lang sind. Verteidiger stellt sich um und macht das loch so klein das es noch offen ist aber nicht mehr sinnvoll, da jetzt mglw. reagierbar. Alternativ wird der lange angeboten, es wird jedoch in einem Timing mit dem unbeliebten Schuss abwechselnd so gedeckt, das der Gegner seine einfache aber Schnelle Informationsverarbeitung nicht einsetzen kann.

Der Stratege kann erfolgreich mit Tarnung arbeiten (um die magelnde Schnelligkeit zu kaschieren) und Täuschungen, da er auch bei Gegnern die unterschiedlich reagieren die Informationen verarbeiten kann. Er wird mit einem System bei dem der Schnelligkeitsmangel weniger ins Gewicht fällt (Mitte, 3/4 oder allgemein Tarnen und Täuschen Sytemen) kombiniert mit einem flexiblen Wechsel zwischen Panorama Blick auf die Verteidigung, oder Blick auf dem Ball und peripherer Wahnehmung der gesamten Verteidigung und Isolieren einzelner Figuren, wobei der optimale Schuss erschlossen wird und der Zeitpunkt antizipiert, am meisten Erfolg haben. Dabei nimmt der Stratege war WAS der Verteidiger tut und versucht den zu antizipieren. Er hat Probleme wenn die Deckung ein Antizipieren schwierig macht. Bspw. Wenn der Gegner sein Bewegungsmuster immer komplett ändert bevor genug Informationen gesammelt werden konnten. Außerdem wenn der Verteidiger ein relativ einfaches Muster zeigt, man aber nie weiß ob die Figur sich gleich bewegen wird, stehen bleibt, sich weg und wieder hin bewegt oder ausgetauscht wird. Und noch Verteidigungen die keine verwertbaren Informationen wie mit beiden Figuren auf 3/4 und mit unvorhersehbaren minibewegungen links, mitte und rechts touchieren ohne zu wecheln oder anzubieten (sofern der Gegner nicht den Schrägen schießen kann).
Es lohnt sich also sich über seinen eigenen Spielertyp Gedanken zu machen um ein passendes System zu entwickeln und den Typ des Gegners zu finden um eine optimale Verteidigung aufzubauen.

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Beitrag von Tropper » 16.04.2008, 15:19

Intressanter Post. Bist Du selber Sport-Student?

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Beitrag von patritsch » 16.04.2008, 15:19

@Silvio

Das ist mal echt interessant. Hast Du auch Tipps, wie man den Schematiker in sich überwindet?

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Beitrag von klaschatx » 16.04.2008, 15:21

Wow :shock:

Warum hast du dich nicht schon vor einem Jahr angemeldet?

:easy
Gruß
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Beitrag von Fab » 16.04.2008, 18:07

naja am Anfang sind wir ja alle Schematiker...diese Entscheidung zwischen den Typen, wie Silvio sie schildert, beginnt erst, wenn man eine gewisse Kontinuität in dem hat, was man macht und das muss man halt anhand von Gegnern, der verschiedensten Stärken testen und natürlich über einen längeren Zeitraum

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Beitrag von Henne » 17.04.2008, 00:16

Moin Silvio,
erstmal herzlich willkommen hier.
Hast du nen Tipp, wie ich als 100% Motoriker ne anständige Mitte hinkriege?

Silvio M.
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Beitrag von Silvio M. » 18.04.2008, 22:35

@Fab

"naja am Anfang sind wir ja alle Schematiker..."


dem würde ich so nicht zustimmen. Ich halte da eher die genetische Veranlagung und frühkindliche Entwicklung für ausschlaggebend. Man kann schon kleine Kinder die gerade erst mit dem Sport beginnen schon recht genau beschreiben. Im Tischfussball würde ich jemanden der leicht mehr auf der strategischen Seite ist und keinerlei schematische Züge hat als besonders stark einschätzen. Fred wäre da ein Bsp.

@Henne

das System von Billy oder Tony auf dem Tornado sind sehr motorisch. Leider eignet sich unser Tisch nur bedingt dafür.

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Beitrag von Selbermacher » 18.04.2008, 23:42

So hätte ich das auch eingeschätzt.

Die Motorik kann man ja ganz gut trainieren. Sobald die wichtigen Bewegungsabläufe im Kleinhirn abgelegt sind, kann man sich dem eigentlichen Spiel widmen ohne übermäßig die Kontrolle über den Ball zu verlieren.

Strategie zu lernen halte ich da für deutlich schwieriger.

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Beitrag von klaschatx » 20.04.2008, 18:38

Hm. Da ist aber im Kern noch was anderes gemeint als die Feststellung "erst wenn die Technik automatisiert wurde, ist der Kopf frei für die Spielsituation." Bei den Ausführungen von Silvio geht's mehr um die Grundtypen. Der Motoriker hat kurze Wege zwischen Informationsverarbeitung zur Ausführung, weil er nur selektiv - und damit quantitativ eingeschränkt und schneller verarbeitbar - Informationen aufnimmt. Der Stratege dagegen "sieht" viel mehr Informationen, braucht daher länger, sie zu verarbeiten und kommt damit später zur Ausführung -> er ist langsamer.
Hier geht's also um die Wahrnehmung des Spiels, um das, was passiert, wenn Fabs "schematische Phase" bereits überwunden ist; um die Art, wie verschiedene Typen das Spiel antizipieren. Ich denke, da habt ihr dann allerdings Recht: Solange der Kopf nicht frei ist, weil er noch in hohem Maße mit der Technik kämpft, stehen nur sehr eingeschränkt Freiräume für die Spielbeobachtung zur Verfügung. Ist wie in der Fahrschule. In den ersten Stunden gurkt man über die Hauptstraßen, das Schwergewicht liegt auf dem Spiel von Kupplung und Gas, Lenkrad und Bremse. Wenn das beginnt zu sitzen, kommen die kleinen Rechts-vor-Links-Sträßchen, Innenspiegel/Außenspiegel, Einparken etc. Alles auf einmal lernen zu wollen, wäre in der Tat ziemlich grausam überfordernd.

Gruß
klaschatx
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Beitrag von Ryu » 20.04.2008, 23:09

Diese Einteilung klingt sehr interessant und plausibel. Sie ist mir nur einen Tick zu "rationallitätslastig". Deswegen meine Frage an dich, Silvio: Welchen Stellenwert misst du (vor allem im Hinblick auf den Strategen) der Intuition bei? Oder noch etwas genauer formuliert: Wäre der ideale Stratege jemand, der vollkommen rational (einem Schachspieler gleich) beispielsweise eine Verteidigung analysiert und knackt, oder nicht eher jemand, der intuitiv im richtigen Moment abdrückt, ohne dass er nachher genau beschreiben kann, wieso und weshalb. Der Vorteil der Intuition wäre dann vielleicht das Umgehen des Zeit raubenden Analysevorgangs. Und könnte man diesen intuitiven Typus dann überhaupt noch Strategen nennen?

Silvio M.
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Beitrag von Silvio M. » 21.04.2008, 13:14

@Ryu

Der Stratege ist in keinster Weise zwangsläufig rationallastig. Der Hauptunterschied zwischen Stratege und Motoriker sind die vornehmlich aktiven Gehirnareale. Beim Strategen ales was mit Wahrnehmung zu tun hat, beim Motoriker alles was mit den Bewegungen zu tun hat. Sinn der Wahrnehmung ist antizipieren zu können. Die Analyse der Verteidigung kann dabei völlig unbewusst ablaufen. Das Gehirn eines Strategen kann halt einfach komplexer sehen und mehr Informationen verarbeiten. Es trifft öfter die optimale Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Dementsprechend ist die mentale Fitness enorm wichtig. Psychischer Stress, Schlafmangel, Elektrolytmangel zeigen sich deutlich (auch die motorische Ausführung leidet, da stark abhängig vom Visualisieren). Der Motoriker ist allgemein stärker in der Ausführung und mehr von physischer Fitness abhängig.

Zsf. Intuition ist eine Stärke des Strategen, da Intuition aus den vom Unterbewusstsein (das um ein vielfaches schneller arbeitet als das aktive Bewusstsein) gesammelten Information kommt.

pauli42
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Beitrag von pauli42 » 21.04.2008, 21:09

Moin Silvio,

grob stimme ich dir zu, aber ich möchte zu bedenken geben das das Entwickeln von Expertenwissen bei jedem dazu führt das er die "Einheiten die er gleichzeitig aktiv im Gedächtnis halten kann" vergrößern kann. Sprich ein Schachanfänger kann seine Aufmerksamkeit maximal auf die Postion von 3 Bauern, einem Pferd und einem Läufer gleichzeitig richten, ein guter Schachspieler merkt sich die Bauernline, Bedrohungsmuster und die Verteigungung für 2-3 Zugvarianten und ein Großmeister kann sich eine komplete Weltmeisterschaft (alle Partien!) als eine aktive Gedächtnisseinheit vor dem geistigen Auge aktiv halten. Daher steht ihm eine deutlich bessere Informationsgrundlage zur Verfügung, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Sprich auch ein genetisch 100%er Motoriker kann z.B. durch eine große Anzahl an Turnieren das gesamte Spielsystem, Taktic, Verteidigung eines Gengers etc. leicht Wahnehmen, aktiv halten und diese Informationen für seine Entscheidung nutzen. Er ist somit auch ein 100%ige Stratege.

Ja man kann versuchen Kinder aufgrunde ihrer genetischen und sozialen Vererbung tendentiell in Kategorien aufteilen, aber ich bin mir nicht sicher ob diese Enteilung bei dem Erwerb des Expertenwissen in der jeweiligen Sportart inkl. der Optimierung der Motorik später diese Enteilung noch zulässt.

Wichtig ist aber auf jeden Fall zu erkennen das auch im Tischfussball der Kopf entscheidet, bzw. die Spielstärke der meisten Spieler beschränkt. Nur wer das (eigene) Problem erkennt und es versteht, der kann eine adequate Lösungsstrategie entwickelen oder Ratschläge verstehen und auch diese letzte Handbremse lösen...und es hierbei egal wo am Anfang seine "natürliche" Disposition lag.

cu...
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