Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

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Dako
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Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von Dako » 03.09.2019, 07:58

Klasse Artikel, unbedingt lesen -> https://www.tischfussball-online.com/bl ... hland.html

:easy

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dudeheit
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von dudeheit » 03.09.2019, 13:49

Eines von vielen Beispielen für das Festhalten an verkrusteten Strukturen in den vom Tischfußballboom nicht betroffenen Landesverbänden ist das Festhalten an den vierzehntäglichen Spieltagen. Eine Einführung von Sammelspieltagen hätte, in Zeiten in denen die grauen Männer aus Momo den Menschen immer mehr Zeit stehlen, den Synergieeffekt viel mehr Tischfußballbegeisterte in den Ligabetrieb zu integrieren und somit auch an den Verband zu binden und die dabei entstehenden Events mit mehr Sozialkompetenz zu versorgen.
Guter Artikel. Ich persönlich finde jedoch, dass Bündelspieltage die Liga uninteressanter machen. Kann die Meinung des Autors nicht ganz nachvollziehen... Hier meine Liste aus Vor- und Nachteilen:
+ Reisekosten und -dauer reduziert.
- Der zeitliche Aufwand verlagert sich auf Wochenenden.
- Einheitliche Tische machen die Liga weniger interessant. Dass die Vereine ihre Tische selbst mitbringen steht glaube ich nicht zur Diskussion.
- Kein regelmäßiger Ligabetrieb der lokale Präsenz schafft. Im Anschluss an ein Ligaspiel ist die Partie ja nicht beendet, meistens wird noch etwas länger gekickert und sich sozial ausgetauscht (zum Thema Sozialkompetenz).
- Im worst case treffen sich Teams nur noch alle zwei-drei Monate um gemeinsam zum Bündelspieltag zu fahren.

Richy74
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von Richy74 » 03.09.2019, 18:13

Eine Möglichkeit für neue Anreize könnte z.B. sein, dass der DTFB mit seinen Tischpartnern eine Vereinbarung trifft, dass ab 2020 neu gegründete Vereine zwei Kicker als Grundausstattung zum halben Preis bekommen
Würde ich sinnvoll finden! Das könnte in der Tat zu Neugründungen führen, nicht nur weil Turniertische nicht für jederman erschwinglich sind :easy :easy :easy

LieberEinzel!
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von LieberEinzel! » 05.09.2019, 00:01

Zitat: "So gesehen läuft in Tischfußballdeutschland schon Vieles richtig. Ein weiteres Jonglieren mit Zahlen bestätigt den Tischfußballboom in allen 3 Stadtstaaten. Der Tischfußballverband Hamburg (TFVHH) legt mit einer Steigerung seiner Mitglieder im Zeitraum von 2010 bis 2018 von 407MG auf 1137MG sensationelle Zahlen auf den Tisch. Aber auch Berlin (2010 = 546MG; 2018 = 710MG) und Bremen (2010 = 104MG; 2018 = 184MG) müssen sich nicht verstecken."

Leider kann ich das für Berlin nicht bestätigen. Bezieht man die Einwohnerzahlen mit ein, spielen in...
Berlin/Potsdam (ca. 4 Mio Einwohner): 0,018 %
Hamburg (ca. 1,8 Mio Einwohner): 0,05 %
Bremen (ca. 680000 Einw.): 0,02 %

Deshalb darf man bei der saarländer Stagnation (ca. 995000 Einw.) 0,2 % durchaus schmunzeln.

In Berlin gibt es ein einziges, privates "Vereinsheim" (die Boombox). Sprich einen Keller in dem man trainieren kann, wenn man einen Schlüssel hat, oder jemanden kennt der einen Schlüssen hat. Ansonsten kann man in der Kneipe trainieren. Also 15 Minuten. Dann taucht sicher irgendwer auf, der auch schon einmal eine Stange in der Hand hatte und betrunken mitspielen will. Und auch der berliner Ligabetrieb findet, seit ihrer Existenz, in den berliner Kneipen statt. In denen übrigens häufig geraucht wird. Meist unter der Woche und gerne bis weit nach 0 Uhr. Aktuell wäre ohne die Tante Käthe und den Platzwart, in Berlin kein Landesliga- und kein Verbandsligabetrieb möglich.
Die Anzahl der Pro-Player in den höchsten beiden berliner Ligen ist überschlagen, knapp kleiner als die von Boofken Münster 08.
Also definitiv kein Boom.

Mitgliederzahlen sind nicht alles. Ein Landesverband benötigt eigenständige Vereine mit Vereinsheim. Und Mitglieder, die bereit sind Beiträge zu zahlen, wie bei jedem anderen Vereinssport. Und jeder Landesverband muss seine Ligastatuten an seine Begebenheiten anpassen (können). Da benötigt man noch mehr Flexibilität um das Netz zu schließen; insbesondere landesverbandsübergreifend. Es ist gut für den Sport, wenn Göttingen in der Liga Hessen-Nord mitspielen kann.
Ebenso positiv, wenn Frankfurter in Mainz Ranglistenpunkte für die TFVH-Rangliste sammeln können. Und umgekehrt.

Wie müssen uns die Frage stellen, was notwendig ist, damit ein Spieler aus Aachen zu einem Mini-Challenger nach Oberhausen fährt. Was passiert.
Und wir müssen uns fragen, warum in Mannheim oder Heidelberg nichts wächst? Und es braucht einen Ligabetrieb, der auch attraktive Bedingungen für Ulm, Regensburg, Zwickau, Gera, Cottbus, u.s.w. schafft. Und das hängt sehr wohl stark mit dem Engagement der Landesvorsitzenden zusammen.
Und es hängt auch an den Spielern selbst. Bitte schaut euch die Fahrzeiten, die Vereins- und Turnierbeiträge anderer Sportarten mal an, wenn ihr ähnliche Bedingungen einfordert.

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Hafensänger
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von Hafensänger » 08.09.2019, 23:01

Hallo,

auch ich finde den Artikel absolut interessant und möchte hier, ohne einen Einblick in die Arbeit von Landesverbänden und DTFB zu haben, ein positives Beispiel vorstellen, wie es gelingen kann, das "grobmaschige Netz" der Städte mit Kickervereinen engmaschiger zu gestalten.

Wir, die Kickerfreunde Salzwedel feiern in diesem Jahr unseren 5-jährigen Geburtstag und sind stolz darauf einen Verein mit derzeit 33 Mitgliedern und einer 8-köpfigen Ligamannschaft in der Landesklasse 1 des MTFV zu haben. Trotz der suboptimalen kickertechnischen Bedingungen, die wir hier in einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern, ohne Hochschul-Standort und einer handvoll Kneipen haben, ist es uns gelungen, den Kickersport hier erfolgreich zu etablieren und ...ja ich würde sagen sogar als ein kleines Kicker-Vorzeigeprojekt zu entwickeln.

Im Artikel ist davon die Rede, dass jede neue Vereinsgründung die Maschen des grobmaschigen Netzes verkleinern würde und genau das ist der Punkt. Man muss den Gedanken zu Ende denken. Wie kommen denn die Menschen auf die Idee einen Kickerverein gründen zu wollen? Ich behaupte, das geschieht nur dann, wenn Leute viele Möglichkeiten zum kickern haben, wenn sie kontinuierlich besser werden und ihnen das spielen in Schulen, Jugendclubs und Kneipen nicht mehr ausreicht, weil sie einfach zu gut geworden sind und neue Herausforderungen suchen. Und genau darauf sollten bestehende Vereine und Verbände mehr Augenmerk legen. Es müssen viele Möglichkeiten zum kickern angeboten werden, um den die Leute davon zu begeistern.

Wir in Salzwedel haben hier mit viel Engagement und bereitwilligen Sponsoren den Grundstein für eine nachhaltige Nachwuchsarbeit gelegt. Mit der finanziellen Unterstützung von einigen Einzelhändlern konnten wir hier das Gymnasium und die Realschulen mit 4 Ullrich-Basic Tischen ausstatten. Uns war das bloße Aufstellen aber nicht genug, denn um wirklich Nachwuchs zu gewinnen, wollen wir den Kids auch wirklich an die Tische bekommen. In den Realschulen bieten wir mittlerweile 3x wöchentlich AGs an, wo wir ihnen direkt und aktiv mit ihnen kickern...und das während der regulären Schulzeit.

Ich will damit sagen, dass es mit dem Anbieten von Beratungsarbeit zum Thema "wie gründe ich einen Verein" nicht getan ist. Wenn ernsthaft und nachhaltig Aufbauarbeit in Sachen Kickersport betrieben werden soll, muss noch früher angesetzt werden. Aus unserer Sicht hat sich das Aufstellen von Einsteiger-Tischen mittels Sponsoren in öffentlichen Einrichtungen durchaus bewährt. Die Profitische stehen dann bei uns im Vereinsheim und wenn die Kids soweit sind und sich tatsächlich für einen Verein interessieren, dann kommen sie schon zu uns :-)

Hier noch ein kleiner Artikel aus unserer lokalen Presse anlässlich unseres 5-jährigen Geburtstags. Gern sind wir anderen Vereinen in Sachen Nachwuchsarbeit behilflich.
Screenshot_20190908_215255.jpg

tomtom
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von tomtom » 09.09.2019, 12:10

Super Projekt :anbet: - damit zeigst du was nachhaltig möglich ist und schaffst hoffentlich einen Ansporn für noch unentschlossene :easy

Beste Grüße Tom

Uhle
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Re: Was ist dran am Tischfußballboom in Deutschland?

Beitrag von Uhle » 09.09.2019, 21:06

@hafensänger: Super Aufbauarbeit, die ihr da geleistet habt. Euer Beispiel zeigt, was es benötigt um etwas auf die Beine zu stellen: Ein Angebot!!

Ich habe in NRW das Rad nicht neu erfunden. Ich habe auch einfach nur ein Angebot gemacht und mir vorher Gedanken darüber gemacht, was denn die Leute an den Tisch bringt und was sie davon abhält.
Ich habe ungefähr 6-7 Anreize benennen können, warum jemand an den Kickertisch geht und ich habe die damaligen Angebote darauf geprüft. Da ist mir schnell aufgefallen, dass die Angebote vielleicht 1-2 Anreize abgedeckt haben und die restlichen nicht berücksichtigt wurden.

Mit diesem Wissen habe ich neue Angebote geschaffen und alte Angebote so angepasst, damit sie wieder attraktiver werden. Wenn man dann den Vereinen dann viel Freiraum gibt, dann entstehen überall ganz schnell Angebote, die in der jeweiligen Region die Bedürfnisse der Spieler befriedigen.

Ich muss in zwei Punkten den Aussagen von Tom leider wiedersprechen. Ich nehme seit 2008 an den Präsidententreffen teil und muss sagen, dass der Tischfußballboom an manchen Landesgrenzen halt macht, weil der Vorstand ignoriert, dass Veränderungen notwendig sind und diese aktiv verhindern.
Desweiteren hilft ein Tisch zum halben Preis gar nichts, wenn man damit nichts macht. Es geht nicht um die Verfügbarkeit von Tischen, sondern darum, das jemand auch was damit macht.

Ich habe es schon oft in Diskussionsrunden gesagt und ich bin weiterhin davon überzeugt: Das, was ich in NRW geschafft habe, ist in jedem Landesverband möglich. Die Zutaten sind immer die gleichen, ob Stadtstaat oder größtes Bundesland.

Keiner muss das Rad neu erfinden. Einfach Copy&Paste!

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