Tic-Tac - Mehr als nur Spaßsystem (?)

Kicker Schusstechniken, Tricks und Spielverhalten
Kubala
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Re: Tic-Tac - Mehr als nur Spaßsystem (?)

Beitrag von Kubala » 27.08.2019, 10:15

Renerico hat geschrieben:
30.08.2018, 16:43
Tic-Tac Training bringt was, auch wenn man damit auf Profiniveau nicht weit kommt.
Wo setzt man Profiniveau an? Ab Master bei P4P? Yannik Hansen amüsiert sich derzeit auf den Turnieren mit einem Tick-Tack und seift auch gute Leute damit ein. Erst dachte ich, er hätte meinen eher auf Hobbyniveau spielenden Goalie damit veralbert, aber etwas später meinte ein Torwart der NRW Landesliga, dass er diese Schüsse auch alle kassiert. Scheint also schon recht weit zu gehen, auch wenn andere Spieler meinen, dass für ein Hauptsystem die Präzision fehle.

Als Training kann es jedenfalls nicht verkehrt sein, wenn es dafür sorgt, dass man in bestimmten Situationen einen Push- oder Pullkick raushauen kann.

Thomas K.
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Re: Tic-Tac - Mehr als nur Spaßsystem (?)

Beitrag von Thomas K. » 28.08.2019, 00:41

Ich bring mal meine persönliche Meinung zur Diskussion ein:

Tic-Tac ist, denke ich, deswegen ein unvorteilhaftes Schusssystem, weil die technischen Rahmenbedingungen es im Vgl. zu Jet/Pinshot/Zieher sehr schwer machen, konstant, präzise und mit gutem Timing die Schüsse zu treffen (Grundsatz für mich: entweder man schießt ein Tor aufgrund von guter Technik und/oder gutem Timing).

Das heißt: wenn man es mit diesem Schusssystem auf ein hohes Niveau bringen möchte, d.h. auch gegen "gute Verteidiger" ("" deswegen, weil der Status eines Verteidiger ja erstmal nichts darüber aussagt, ob er Erfahrung und demnach auch Taktik/Strategie gegen Tic-Tac hat) eine verlässlich hohe Quote auf der 3er-Reihe haben möchte, braucht man unter anderem ein unfassbar hohes technisches Niveau. In meinen Augen ist das Gegenbeispiel der Jet - hier kann mit vergleichsweise geringen technischen Mitteln relativ einfach eine verlässlich hohe Quote erreicht werden.

Im Detail meine ich damit, dass, wie ja bereits im Verlaufe des Threads herausgearbeitet, nicht immer dieselben, eindimensionalen Strategien beim Tic-Tac angewandt werden können. Manche Verteidiger muss man einfach mit Präzision schlagen, andere mit Timing. Schwierig wird es meiner Meinung nach, wenn die Art und Weise des Verteidigens beides erfordert, d.h.: selbst bei richtigem Timing muss der Schuss noch sehr präzise kommen, damit es zum Torerfolg kommt.

Ein weiteres Manko ist meiner Ansicht nach die fehlende Möglichkeit, mit Fakes zu arbeiten. Ist es so schon relativ schwer, während der Ball läuft, die Deckung des Gegners im Auge zu behalten und zu timen, wird es eben sehr kompliziert, wenn man auf Fakes angewiesen ist. Diese Deckungen gibt es offensichtlich, wenn man nicht gerade jeden Pull-/Pushkick lang deadman reinhaut (was quasi unmöglich ist).

Aus Sicht des Goalies betrachtet ist es sicherlich ein valides Ziel, den Gegner zu technisch schweren Schüssen mit schwierigem Timing zu zwingen. Wer das meisterhaft beherrscht, bringt den Stürmer irgendwann dazu, die "einfachen" Optionen (d.h. technisch leichte Schüsse mit leichtem Timing) gar nicht mehr in Betracht zu ziehen; genau dafür braucht es, denke ich, Fakes, damit man nicht in diese Falle läuft.

Also, zusammengefasst: Dass sich Aufwand/Nutzen beim Tic-Tac lohnen, ist im Vergleich zu Jet eine skurrile Vorstellung. Allerdings kann mit ziemlich viel Aufwand auf jeden Fall ein akzeptabler Nutzen erreicht werden, da alle Optionen theoretisch spielbar sind. Dafür braucht es neben gutem Timing (d.h. viel Erfahrung im Muster erkennen, Mut zur Lücke) auch noch unfassbare Nervenstärke und insgesamt sehr, sehr viel Trainingsaufwand.

Yannik Hansen zum Beispiel ist mit Sicherheit einer der technisch besten Spieler auf unserem Tisch (wohlgemerkt haben wir noch nicht über Multitable geredet...). Das in Zusammenhang mit seiner Spielintelligenz (Timing, generell Entscheidungsfindung) und der mentalen Stärke (Druckresistenz) erlaubt es ihm natürlich, mit diesem System auf eine akzeptable Quote zu kommen bis zu einem gewissen Niveau. Auf "Weltklasse" oder "internationale Klasse" braucht es aber auf jeden Fall mehr, zumindest bei einem best of 3/5.

Allgemein würde ich aber nicht sagen, dass sich Tic-Tac-Training nicht lohnt. Damit wird recht gut Ballgefühl trainiert sowie die Fähigkeit, neben den technischen Herausforderungen des "Ball auf Linie haltens", quasi nebenbei noch zu timen (z.B. auch über mehrere Schüsse nachzudenken, sie abzuwägen, etc.) - weiß nicht, ob man das bereits "Multitasking-Fähigkeit" nennen kann. Natürlich wird man sich im Laufe des Trainings auch eine gewisse Frustrationstoleranz aneignen müssen :-) Je nachdem, welche Ziele man in seiner Kickerkarriere also verfolgt, mag es ein valides Ziel sein, Tic-Tac bis zu einem bestimmten Punkt zu trainieren. Übrigens gibt es international einige gute Spieler, die zum Teil auf dieses Schusssystem zurückgreifen. Gerade erst beim World Cup in Murcia ist Rob Atha mit einem guten Anteil Tic-Tac auf der 3 bis ins Finale gekommen (und hat da mMn recht unglücklich verloren).

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