OLYMPIA 2016 - Medienattraktivität von Sportarten


Allgemeines und News zum Thema Tischfussball
Satai
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Beitrag von Satai » 11.08.2016, 00:03

...kurz zur Europsport Übertragung: Ich habe rein gesehen und fand die Präsentation auch gut. Aber bei 6:40 Min. macht er einen Zieher, der abgefälscht wird. Ich selbst musste es mir in der Zeitlupe 3-4 mal ansehen, wo der Ball wie lang ist. Da dachte ich mir, diese Zeitlupe war einfach noch nicht langsam genug. Das machte mir Hoffnung, da die Leistungsfähigkeit der Kameras in Bezug Leistungsfähigkeit steigen bzw. bezahlbarer werden. DAs ist für mich ein entscheidender Punkt. Nicht umsonst hat Tischtennis die Bälle fürs Fernsehen vergrößert, was ich aber nicht für unseren Sport möchte :-) . Nebeneffekt: Der Moderator hat mehr Zeit die Situation zu erklären. ...

Kubala
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Beitrag von Kubala » 11.08.2016, 08:57

e.t.chen hat geschrieben:Hat jemand gestern das Sportpistolen Damen-Finale gesehen?
Das hat in meinen Augen die Spitze der Langeweile erreicht.
Zwei völlig emotionslos dreinblickende Menschen (In dem Sport wahrscheinlich nötig) schießen auf ein Ziel, das keiner sieht, und erfahren erst nach der Computereinblendung 2 Sek. nach dem Schuss ob sie getroffen haben.
Für den Zuschauer zwei Menschen mit komischer Maske und futuristischer Pistole und darunter eine Grafik mit den Treffern.
Dass soetwas es ins Fernsehen schafft...
Diese Form von Schießen ist für den Zuschauer auch enorm uninteressant und das sage ich als langjähriger Luftpistolenschütze. Da ist auch jahrelang an Wettbewerbsmodi herumgedoktert worden, damit der Sport für mehr Leute interessant wird, das Ergebnis ist überschaubar. Dass man den Schuss an sich nicht sieht und jede Aktion gleich aussieht, hat sicher etwas damit zu tun. So etwas schafft es auch nur bei Olympia ins Fernsehen und nur, weil Deutschland da Medaillenhoffnungen hat.

Kubala
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Beitrag von Kubala » 11.08.2016, 09:30

Klaus G. hat geschrieben: ...
Der Grund, warum Dart so gut funktioniert, ist meiner Meinung nach, dass die Leistung der Topspieler sehr gut zu bewerten ist. Jeder weiß z.B., dass solch eine 180 etwas Herausragendes ist, was nicht jeder kann - zumindest nicht in dieser Häufigkeit. Und falls sich jemand dbzgl. nicht sicher ist, wird ihm vom Caller und der versammelten Zuschauerschar ein "one hundred and eighty" in die Ohren gebrüllt. Damit ist dann spätestens klar, dass es etwas Besonderes ist.
Und auch das Treffen der Doppel ist als Spitzenleistung zu identifizieren, selbst von einem Laien.

Beim Tischfußball ist es für einen Laien nicht so einfach zu erkennen, was Spitzenleistung ist und was nicht.
Beim Fußball ist das übrigens genau so. Dort weiß der geneigte Laie allerdings aufgrund von Tabellensituationen und Ligazugehörigkeiten, was gut bzw. weniger gut ist, bzw. so sein sollte. Aber Fußball lebt sowieso primär von den Rivalitäten, die perfekt gepflegt und initiiert werden.
...
Wichtig wäre, wenn den Zuschauern noch besser klar gemacht werden könnte, was Spitzenleistung ist und was nicht. Begeisterung entsteht nämlich u.A. dadurch, dass man "weiß", dass das, was gerade geschieht, etwas Besonderes ist.
...
Den Vergleich mit "im Fußball auch random" lasse ich mal außen vor. Klar gibt's das da, nur bei den Auswirkungen bin ich ganz anderer Ansicht, aber das führt hier zu weit. Auch die nachvollziehbaren Spitzenleistungen dort sind etwas ganz anderes.

Dafür kann ich deinem anderen Punkt voll und ganz zustimmen. Der Reiz eines Kickerspiels auf höchstem Niveau erschließt sich nur dann, wenn man auch Bescheid weiss, was gut ist. Man sieht es nicht so leicht wie einen Dunking, einen Schmetterball im Tennis / Tischtennis, einen Schuss unter die Latte im Fußball, einen 180er im Dart. Da ist der Fußball auch deswegen im Vorteil, weil fast jeder mal gespielt hat und bis zu einem gewissen Level weiß, was gut ist. Im Tischfußball hingegen bleibt Hobbyspielern schon das Duell auf der Mittelreihe meistens verborgen, weil da nichts knallt

Da gibt es bei der Fernsehübertragung von Tischfußballspielen noch ein eigenes Problem. Ich hoffe, ich kann mich jetzt einigermaßen klar ausdrücken. Bekanntlich ist die Kameraposition am Kickertisch ja von schräg oben über eine Längsseite. Dadurch wird die Länge des Tisches optisch verkürzt. Das wiederum hat zur Folge, dass beim Spiel selber vieles langsamer aussieht. Das fällt vor allem dann auf, wenn man sich die Pässe von der Fünferreihe aus ansieht: Auch bei Spitzenleuten gegen andere Topspieler sieht das fast immer so lahm aus, dass es eigentlich nicht sein kann.

Der Grund dafür liegt in der optischen Verkürzung der Strecke, während die Zeit, in der der Ball läuft, gleich bleibt. Mal ein ungefähres Beispiel: Sagen wir, der Ball läuft bei einem normalen Pass von der 5 auf die Dreierreihe 0,3 Sekunden für 25 cm. Wenn man quer vorm Tisch steht, sieht man das Tempo, in dem der Ball auf die 3 zuckt. In der optischen Verkürzung sieht es so aus, als würde der Ball in der gleichen Zeit vielleicht 8 cm zurücklegen. Das wirkt lahm. Wenn man sich eine Partie von starken Spielern ansieht, hat man bei den Pässen immer das Gefühl "in Wirklichkeit ist das schneller". Auch das muss man als Spieler erst mal wissen, das erschließt sich einem Zuschauer sonst nicht, und diese scheinbare Verlangsamung dürfte ein Hindernis dabei sein, Übertragungen von Spielen interessanter zu machen.

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Beitrag von Ryu » 11.08.2016, 11:39

Kubala hat geschrieben: Da gibt es bei der Fernsehübertragung von Tischfußballspielen noch ein eigenes Problem. Ich hoffe, ich kann mich jetzt einigermaßen klar ausdrücken. Bekanntlich ist die Kameraposition am Kickertisch ja von schräg oben über eine Längsseite. Dadurch wird die Länge des Tisches optisch verkürzt. Das wiederum hat zur Folge, dass beim Spiel selber vieles langsamer aussieht. Das fällt vor allem dann auf, wenn man sich die Pässe von der Fünferreihe aus ansieht: Auch bei Spitzenleuten gegen andere Topspieler sieht das fast immer so lahm aus, dass es eigentlich nicht sein kann.

Der Grund dafür liegt in der optischen Verkürzung der Strecke, während die Zeit, in der der Ball läuft, gleich bleibt. Mal ein ungefähres Beispiel: Sagen wir, der Ball läuft bei einem normalen Pass von der 5 auf die Dreierreihe 0,3 Sekunden für 25 cm. Wenn man quer vorm Tisch steht, sieht man das Tempo, in dem der Ball auf die 3 zuckt. In der optischen Verkürzung sieht es so aus, als würde der Ball in der gleichen Zeit vielleicht 8 cm zurücklegen. Das wirkt lahm. Wenn man sich eine Partie von starken Spielern ansieht, hat man bei den Pässen immer das Gefühl "in Wirklichkeit ist das schneller". Auch das muss man als Spieler erst mal wissen, das erschließt sich einem Zuschauer sonst nicht, und diese scheinbare Verlangsamung dürfte ein Hindernis dabei sein, Übertragungen von Spielen interessanter zu machen.
Ich verstehe deine Ausführung schon, nur halte ich das ehrlich gesagt für nicht wirklich problematisch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mir so vor 10 Jahren mein allerererstes P4P-Video angeschaut habe. Es war ein Einzel zwischen Thierry Müller und Christian Szüle, und ich war vor allem total geflasht von der brachialen Geschwindigkeit, mit der die Pässe von 5 auf 3 gespielt wurden. "Die passen schneller, als ich schießen kann!" war meine Erkenntnis :wink: . Und damals hatte ich wirklich so gut wie keine Ahnung von der Materie.

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Re: OLYMPIA 2016 - Medienattraktivität von Sportarten

Beitrag von eumelzock » 11.08.2016, 12:25

So lange es bei Wettkämpfen einen persönlichen Favoriten gibt und die Aussicht auf Rekorde im Raum steht, ist für mich auch Hallenhalma interessant.
Marathon zB. ist für mich nicht so der Prickler. Aber da dieses Jahr meine beiden Nachbarinnen an den Start gehen werde ich dem lokalen PV beiwohnen und natürlich kräftig mitfiebern, das unterm Strich auch ein tolles Renenn für die Beiden rausspringt. Wenn auch ohne Medaillenchance, aber so nah war mir Olympia in den 32 Jahren nicht, in denen ich nun den Zirkus aktiv als semiprofesioneller TV Sportler mitverfolge :easy .
Die Spannung wächst mit der Größe des zu erreichenden Zieles, der Moderator trägt mit seinem Können oder Nichtkönnen dazu bei.
Gerade bei den angesprochenen Sportarten Pistolen und Bogenschießen gab es doch einige spannende Begegnungen, auch wenn man nicht alles so genau sieht.

Zum Thema Tischfußball in den Medien :
Es braucht über kurz oder lang eine anständige mediale Verbreitung um geneigte Sponsoren an Land zu ziehen, ob man das Feld nun von unten (Lokalpresse) oder gleich von der Spitze angeht (TV) ist eigentlich egal. Es muss einfach dem Unwissenden nahegebracht werden, das es sich um einen Sport handelt, und da kann auch der zweiwöchtliche Spielbericht des Ligatages in der Lokalzeitung dazu beitragen. Damit lässt sich bestimmt der ein oder andere Mittelständler zum Sponsoring übereden.
Das Leben ist zu kurz, um an schlecht gewarteten Tischen zu spielen !
Make foosball great again, Tablesoccer first ! tablesoccerapp

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Beitrag von Bollo » 11.08.2016, 16:12

LieberEinzel! hat geschrieben:Ist Tischfußball vllt medial mit Eishockey vergleichbar? Wenn man von der Lobby absieht...
Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, beide Sportarten haben wirklich nichts miteinander gemeinsam. Nicht mal beim Tempo. Da ist Kickern einfach mal noch um Dekaden schneller.

Ich denke Tischfussball hat neben den bereits genannten Punkten eben noch das Problem des Kneipenimage. Da wird Bier zu getrunken, das können auch Leute mit Plautze spielen, das kann man doch nie im Leben Sportart nennen.
Dazu eben noch die Einstiegshürde des Kickers für den Privatmann (Platz und Geld).

Sorgt alles für die geringe Verbreitung und damit auch kein mediales Interesse. Und wenn ich ehrlich bin, ich schaue mir Kickern auch nicht gerne selbst an, selbst wenn ich mir einbilde schon die Leistung beurteilen zu können. Es wird mir einfach schnell langweilig, das es leider doch etwas monoton beim Zuschauen (ok, Bogenschiesen oder dieses erwähnte Luftpistolenduell auch) ist.
Findet ihr nicht?

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Beitrag von LieberEinzel! » 11.08.2016, 23:02

Klaus G. hat geschrieben:Wichtig wäre, wenn den Zuschauern noch besser klar gemacht werden könnte, was Spitzenleistung ist und was nicht. Begeisterung entsteht nämlich u.A. dadurch, dass man "weiß", dass das, was gerade geschieht, etwas Besonderes ist.
Vllt lässt sich zudem Interesse schaffen indem man zusätzliche Informationen angibt:
-die Lückengröße beim Torschuss
-die Reaktionsgeschwindigkeit
-die Schussgeschwindigkeit
Dazu braucht man natürlich eine spezielle Ausrüstung und Leute im Hintergrund.

Auch finde ich es gut wenn man schnelle Schüsse "virtuell" nachzeichnet. So wie es beim Snooker oder Golf üblich ist.

So etwas wie ein Ryders Cup (Golf) Europa vs. USA wäre sicher auch ne schicke Idee.

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Beitrag von phelan » 12.08.2016, 01:53

Bollo hat geschrieben:Und wenn ich ehrlich bin, ich schaue mir Kickern auch nicht gerne selbst an, selbst wenn ich mir einbilde schon die Leistung beurteilen zu können. Es wird mir einfach schnell langweilig, das es leider doch etwas monoton beim Zuschauen (ok, Bogenschiesen oder dieses erwähnte Luftpistolenduell auch) ist.
Findet ihr nicht?
Das kommt darauf an. Fast jedes Collignon Video ist eine Wonne zu schauen, beim Frank Brauns machts auch fast immer Spaß (sein Match gegen Gilles Perrin in Sulzbach ist eins der besten Kickervideos überhaupt https://www.youtube.com/watch?v=DWM0UkXtxK0 ), Thierry auch, bei den Amerikanern schau ich fast auch immer gerne zu...
Was ich aus welchem Grund auch immer sterbenslangweilig finde ist der aktuelle Trend zum Jet, die merkwürdige Handhaltung mit dem 10 Sekunden Abzappeln ist einfach nur Öde (persönliche Meinung)

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Beitrag von maerchenopa » 12.08.2016, 22:51

Ich denke, dass es da um recht komplexe Zusammenhänge geht, wenn man hinterfragt, wann ein Sport für Zuschauer interessant wird und wann nicht. Zum Beispiel ist es ja so, dass es viele Sportarten gibt, bei denen die Zuschauer nur selten auch Aktive sind, z.B. Fußball. Jeder kann sich genug Expertise aneignen, um mitzudiskutieren. Ähnlich ist es auch bei anderen Sportarten, wie z.B. Handball, Basketball etc. (Ich glaube kaum, dass es so viele Skispringer wie Zuschauer bei der Vierschanzentournee gibt...)

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen Sportarten, bei denen vornehmlich selbst Aktive zuschauen, dazu gehört für mich nun mal auch Tischfußball. Irgendwie kann ich mir kaum vorstellen, dass es Leute geben mag, die sich eine Partie gezielt live anschauen, ohne selbst Spieler zu sein. Wenn es dann im Fernsehen läuft, schauen sich das eher auch Aktive an, oder eben solche, die beim Zappen dabei hängen bleiben (wenn ich mir überlege, wie oft ich mich schon nach einer Stunde Curling schauen gefragt habe: "Was machst du hier eigentlich?"). Aber dass die Leute geben mag, die als nur Interessierte Eintritt zahlen, um sich eine Partie Krökeln anzuschauen, ist doch eher unwahrscheinlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass das den Kreis der Zuschauer bei kleineren Sportarten relativ elitär macht.

Und trotzdem gibt es Sportarten, die es dann und wann aus dem Schattendasein heraus schaffen. Nehmen wir z.B. mal Dart. Hier hat es einfach die Entwicklung zum Partyevent hin gegeben, was sich medial gut ausschlachten lässt. Würden sie da ohne Zuschauer spielen, oder wie beim Snooker (oder Tischfussball) in ruhiger Atmosphäre, wo man während des Ballwechsels eine Stecknadel fallen hören könnte, was bliebe dann? Ein Haufen untersetzter Möchtegernsportler, die vor einer Hand voll Zuschauer Pfeile werfen. (Mal ganz abgesehen davon, dass es um irrwitzige Summen geht... ohne die wäre das Ganze auch weit weniger reizvoll...)
Dabei ist gerade hier eine gewisse Parallelität zum Tischfußball ja nicht von der Hand zu weisen. Auch wie beim Dart hat es seinen Ursprung in verrauchten Kneipen; jedermann kann es spielen und nur eine Handvoll Leute schafft es dabei wirklich, sich an die Spitze zu spielen.
Wie liefen denn die Events ab, bei denen Tischfußball wirklich massentauglich im TV übertragen wurde? Ob es bei TVtotal darum ging, Stefan Raab mal so richtig vorzuführen, oder ob Oktay bei "Wetten dass...?" am Mammuttisch gespielt hat- am Ende war es immer eins: eine Riesengaudi für die Zuschauer, die gröhlend, klatschend und lachend den kurzweiligen Zeitvertreib genossen haben.
Wäre das nicht ein Ansatz? Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie man es für die Zuschauer transparenter oder spannender macht, eher daran zu arbeiten, es für die Zuschauer kurzweiliger zu machen? Dabei muss man ja nicht am Sport an sich etwas verändern, oder zuviel Brimborium beim Auftritt der Sportler machen. Aber man kann sich ja auch mal fragen: was macht denn z.B. Baseball in den Staaten wirklich interessant? Die Brennballspielregeln wohl kaum, so eine Partie dauert auch ewig. Nein, es ist das Drumherum. Barbecue auf dem Parkplatz, Hot Dogs und Musik im Stadion, usw. Vielleicht kann man an der Aufmachung etwas schrauben, um den Zuschauern reizvolles zu bieten.

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Beitrag von Satai » 13.08.2016, 01:34

... beim letzten Spieltag hatten die Gastgeber die Kamera an der Lampe und somit Mittig senkrecht über den Tisch auf den Fernsehr übertragen. Die Perspektive fand ich sehr intereesant für die Analyse des Stellungsspiel. ich könnteir vorstellen, dass mit der Perspektive bspw. das Torwartspiel sehr gut erklärt werden könnte, wieso der Stürmer keine Lücke finden konnte. ...

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Beitrag von Kubala » 14.08.2016, 11:00

maerchenopa hat geschrieben:
Auf der anderen Seite gibt es diejenigen Sportarten, bei denen vornehmlich selbst Aktive zuschauen, dazu gehört für mich nun mal auch Tischfußball.
Das ist unbestreitbar so. Und selbst von vielen Aktiven kommt nicht jeder auf den Gedanken, sich eine Partie oder ein Turnier über Kozoom anzusehen. Nur, warum ist das eigentlich so? Man kann sicher sagen, dass es locker "Millionen Menschen" in Deutschland gibt, die irgendwann mal an einem Kickertisch gestanden haben. Und fast alle finden es gut. Für Tischfußball als Mediensport interessiert sich praktisch keiner.

Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die allermeisten Menschen das Spiel im Anfängerstadium oder als Kneipenspiel auf unterem Level völlig anders wahrnehmen als ein Fortgeschrittener. Für einen Anfänger ist eine Fünferreihe gut, wenn jemand damit Tore macht, ist ein Torwart gut, wenn er praktisch aus dem Stand mit Riesenreflex zur Seite springt und den Ball hält. Und am besten noch mit dem Torwart ein Tor macht. Die Dreierreihe ist gut, wenn das Tor sehr laut ist. Wenn so jemand zum ersten Mal im Verein mitspielt, dauert es einige Zeit, bis er den Ansatz neu verstanden hat. Viele haben auch wenig Lust, sich auf ein Spiel mit wenig wahrgenommener Action einzulassen und gehen zurück in die Kneipe zum Ballerspiel. Man muss schon ein bisschen davon verstehen, um es dann interessant zu finden. Und ohne sich dafür zu interessieren, wird man aber nichts darüber lernen.

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Beitrag von Bollo » 14.08.2016, 12:28

Kubala hat geschrieben:Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die allermeisten Menschen das Spiel im Anfängerstadium oder als Kneipenspiel auf unterem Level völlig anders wahrnehmen als ein Fortgeschrittener. Für einen Anfänger ist eine Fünferreihe gut, wenn jemand damit Tore macht, ist ein Torwart gut, wenn er praktisch aus dem Stand mit Riesenreflex zur Seite springt und den Ball hält. Und am besten noch mit dem Torwart ein Tor macht. Die Dreierreihe ist gut, wenn das Tor sehr laut ist. Wenn so jemand zum ersten Mal im Verein mitspielt, dauert es einige Zeit, bis er den Ansatz neu verstanden hat. Viele haben auch wenig Lust, sich auf ein Spiel mit wenig wahrgenommener Action einzulassen und gehen zurück in die Kneipe zum Ballerspiel. Man muss schon ein bisschen davon verstehen, um es dann interessant zu finden. Und ohne sich dafür zu interessieren, wird man aber nichts darüber lernen.
Also bei genauerer Überlegung würde ich sagen, dass Du diese Aussage quasi auf fast jede Breitensportart übertragen kannst. (Relativ) Leicht zu spielen, schwer zu meistern sind nahezu alle. Ausnahmen sind die Sportarten, die quasi nur schwer sind, wie z. b. Turnen, Biathlon, Kunstradfahren, etc... also Sportarten die trotzdem ab und an geschaut werden, obwohl nur wenige der Zuschauer mangels Praxis wirklich verstehen was es bedeutet diese Bewegungen auszuführen.
Daran kann es also imho nicht liegen, dann hätten deutlich mehr Randsportarten dieselben Probleme wie Tischfussball. Ich denke wirklich das Zuschauen unattraktiv ist. Dazu noch ein Imageproblem - Kickern ist halt nicht so schön anzuschauen wie Beachvolleyball oder so cool wie Trampolinspringen.

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Beitrag von Tex-Hex » 14.08.2016, 13:30

Bollo hat geschrieben:
Kubala hat geschrieben:Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die allermeisten Menschen das Spiel im Anfängerstadium oder als Kneipenspiel auf unterem Level völlig anders wahrnehmen als ein Fortgeschrittener. Für einen Anfänger ist eine Fünferreihe gut, wenn jemand damit Tore macht, ist ein Torwart gut, wenn er praktisch aus dem Stand mit Riesenreflex zur Seite springt und den Ball hält. Und am besten noch mit dem Torwart ein Tor macht. Die Dreierreihe ist gut, wenn das Tor sehr laut ist. Wenn so jemand zum ersten Mal im Verein mitspielt, dauert es einige Zeit, bis er den Ansatz neu verstanden hat. Viele haben auch wenig Lust, sich auf ein Spiel mit wenig wahrgenommener Action einzulassen und gehen zurück in die Kneipe zum Ballerspiel. Man muss schon ein bisschen davon verstehen, um es dann interessant zu finden. Und ohne sich dafür zu interessieren, wird man aber nichts darüber lernen.
Also bei genauerer Überlegung würde ich sagen, dass Du diese Aussage quasi auf fast jede Breitensportart übertragen kannst. (Relativ) Leicht zu spielen, schwer zu meistern sind nahezu alle. Ausnahmen sind die Sportarten, die quasi nur schwer sind, wie z. b. Turnen, Biathlon, Kunstradfahren, etc... also Sportarten die trotzdem ab und an geschaut werden, obwohl nur wenige der Zuschauer mangels Praxis wirklich verstehen was es bedeutet diese Bewegungen auszuführen.
Daran kann es also imho nicht liegen, dann hätten deutlich mehr Randsportarten dieselben Probleme wie Tischfussball. Ich denke wirklich das Zuschauen unattraktiv ist. Dazu noch ein Imageproblem - Kickern ist halt nicht so schön anzuschauen wie Beachvolleyball oder so cool wie Trampolinspringen.
Ich muss Kubala da vollkommen beipflichten, bin mir aber auch nicht ganz sicher, ob du ihn richtig verstanden hast. Es geht gar nicht so sehr ums "Leicht zu spielen, schwer zu meistern", sondern um folgendes: Bei vielen (Rand-)Sportarten erkennt man beim zusehen direkt, was "gut" ist. Und wenn es Sportarten sind, die man vielleicht schon selbst ausprobiert hat, dann ist die Sache noch eindeutiger: Beim Dart weiß jeder, dass die Triple-20 am meisten Punkte bringt. Auch als Anfänger versucht man, diese zu treffen. Schafft es halt nur sehr selten. Wenn dann im Fernsehen jemand die mehrfach hintereinander trifft, ist man schnell beeindruckt/begeistert von der Leistung.
Dann gibt es noch Sportarten, wo der Teufel eher im Detail steckt. Wer das erste mal Snooker sieht, dem ist vielleicht gar nicht klar, dass das Lochen der Kugel gar nicht die große Kunst ist (eher die selbstverständliche Voraussetzung, die auch mittlere Vereinsspieler ganz gut beherrschen). Sondern die große Kunst ist, beim Stoß die weiße Kugel schon für den nächsten Stoß wieder günstig zu positionieren. Dafür wird die Geschwindigkeit wohl dosiert und dem Ball meist auch der passende Effet mitgegeben. Für jemanden, der das weiß und am besten schon probiert hat, ist eine Partie Snooker auf hohem Niveau zu sehen natürlich ein hoher Genuß. Aber auch wer das nicht weiß und noch nie selbst probiert hat, kann sich trotzdem auch ne Partie Snooker angucken und ganz begeistert sein, wie toll und sicher die alle die Bälle lochen.
Beim Kickern ist das aber anders: Als Anfänger/Kneipenspieler haut man eher aus jeder Position drauf. Wer ein Tor mit der 5 schießt, hat anscheinend alles richtig gemacht. Also ist eine gute 5 wohl, wenn man viele Tore mit der 5 schießt. Aber was machen denn die im Fernsehen da? Da versucht ja keiner von der 5 ein Tor zu machen?! Können die das denn etwa nicht? Und was macht der Torwart denn da? Anstatt mal still zu halten, wackelt der so komisch rum. Und siehe da! Plötzlich kriegt der ein Tor einfach durch die Mitte, nur weil der so komisch rumgewackelt hat! Wäre er mal einfach vor dem Schützen stehen geblieben! Wenn der Schütze dann zur Seite zieht, kann man ja immer noch mitziehen!
Das mag sich leicht jemand Außenstehender denken, der nicht weiß, dass man mit der richtigen Schusstechnik zu schnell für reaktionäres Halten ist. Und dass man mit kontrollierten Pässen 5->3 und kontrollierten Schüssen von der 3 eine deutlich bessere Erfolgsquote auf Dauer hat, als mit Schweißern von der 5 (kann man natürlich mal einstreuen, schon klar. Aber als Außenstehender erwartet man sowas vielleicht eher als Regel und nicht als Ausnahme).
Also wenn jemand, der keine Ahnung von der Materie hat, eine Kickerpartie sieht, dann fällt es ihm schon schwer, gute Leistung zu bewerten und auch die beiden Gegner zu vergleichen. Denke da hat Kubala völlig recht, das ist schon extremer als bei den meisten anderen Sportarten. Erst recht, weil viele schon mal aus Spaß in der Kneipe gekickert haben und da wahrscheinlich ein falsches Bild aufgeschnappt haben, was wirklich "gut" oder erstrebenswert ist.

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Beitrag von Bollo » 14.08.2016, 18:03

Dann bin ich wirklich anderer Meinung. Die Leute sind doch auch keine Idioten. Das es wohl (größtenteils, Tore von der 5 fallen auch bei den großen Turnieren ab und an mal weil die Spieler auch mal einen Schuss einstreuer) sinnvoller ist einen Pass von der 5 auf die 3 zu bringen um dann mit einem sicheren Schuss zu vollstrecken wird auch ein Zuschauer, der bisher nur in der Kneippe mit 2 Promille draufgeholzt hat raffen, wenn es der Reporter kurz erklärt.
Ebenso warum eine Moving Defense sinnvoller ist als zu versuchen auf Reaktion zu halten, auch das verstehen die Leute spätestens nach der ersten Wiederholung. Ist doch vergleichbar mit Tischtennis. Da versuchst Du ja auch recht lange kurz zu spielen um die Angriffsschläge zu unterbinden. Das rafft man auch ohne das man jemals selbst gespielt hat.

Ich bleibe dabei: Kickern ist keine Zuschauersportart da einfach zu öde. Aber um den Brückenschlag auf Olympia zu schaffen... da gibt es genug Sportarten die locker nochmal langweiliger sind. Hätte auch nix dagegen wenn Kickern olympisch wäre.

Teamduell mixed Tables, Einzel/Doppel pro Tisch, Einzel/Doppel kombiniert mixed Tische... mehr als eine Halle, 4 Tage Zeit und ein paar Tische brauchts da ja nicht für.
Um mal konkret zu werden, was kann man tun, das Kickern olympisch wird? Eine Petition starten?

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Beitrag von michi1367 » 14.08.2016, 21:50

Bollo hat geschrieben:Um mal konkret zu werden, was kann man tun, das Kickern olympisch wird? Eine Petition starten?

Ohne jetzt ins Detail zu gehen und irgendetwas zu recherchieren, also alles auf Grundlage von gefährlichem Halbwissen:

Die Entscheidung, welche Sportarten in den olympischen Kanon aufgenommen werden, trifft das IOC auf Vorschlag der jeweiligen NOKs (Nationales Olympisches Komitee, bei uns der Deutsche Olympische Sportbund, DOSB). Die schlagen aber nur Sportarten vor, deren Dachverbände im DOSB organisiert sind. Mit anderen Worten: zu allererst müsste mal (aus deutscher Sicht) der DTFB Mitglied im DOSB werden. Daran wird meines Wissens seit langem gearbeitet. Die formalen Voraussetzungen liegen aber nicht vor, beispielsweise müssten 10.000 (?) aktive, in Vereinen organisierte Spieler/innen nachgewiesen werden, um die Relevanz der Sportart zu unterstreichen. Die gibt es aber noch nicht.
Zuletzt geändert von michi1367 am 14.08.2016, 22:58, insgesamt 1-mal geändert.

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