Sichtkarbon auf Korpus


Infos und Fragen zum Kickertisch-Selbstbau
Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 17.03.2017, 08:25

kleinerBruder hat geschrieben:Hi,

1.4305 ist eine Stahlsorte die vorallem für die Zerspanung genutzt wird. Der Legierung wird Schwefel hinzugefügt und damit die Spanbrüchigkeit gefördert.
Dadurch wird die Kaltumformbarkeit etwas beeinträchtigt. Weiterhin ist dieser Stahl auch nicht schweißbar.
Auf Grund der der speziellen Anfertigung für die Automatenbearbeitung wird eher weniger Rohr- und dafür mehr Vollmaterial davon Hergestellt. Gerade Sondermaße für den Rohrbau sind daher schwer zu finden.

Für den Rohrbau wird meistens 1.4404 verwendet. 1.4404 ist gut schweißbar so wie sehr stark rost- und säurebeständig. Daher wird das Material verstärkt im Armaturenbau verwendet. Hier sollten auch Zwischengrößen als Rohr zu finden sein.

Industriell gefertigte Rohre werden meist für die Bearbeitung auf das zöllige System optimiert, da dies für den Rohrleitungsbau bis heute das gängige Format ist.

Vorteil beider Werkstoffe ist natürlich, dass es diese bereits in geschliffener Paßqualität zu erwerben sind.
Standartlängen in der Produktion sind 3 Meter und 6 Meter. Bei 1.4305 wird mehr in 3 Meter längen produziert.
Bei diesen Standartlängen wird aber keine große Geradheitstoleranz berücksichtigt.
Ich kenne mich tatsächlich wenig mit Metallen aus. Ich vergleiche immer nur die Werte und achte auf gewisse Punkte wie Zerspanbarkeit, etc. Mir ist bewusst, dass die meisten Rohre geschweißt sind. Ich weiß allerdings nicht, wie nahtlose Rohre hergestellt werden, d.h. ob die Nähte nachträglich bearbeitet werden oder ein ganz anderes Verfahren verwendet wird. Daher habe ich mit der Hoffnung gespielt, dass es 1.4405 als Rohr gibt.
1.4404 ist nicht sehr zugfest im Vergleich zu 1.4405 (500-700 VS 800). 1.4571 Edelstahl gibt es übrigens auch als Rohr. Allerdings stimmen die Eckdaten auch hier nicht so.
Ich muss wohl damit rechnen, dass ich am Ende entweder Vollwellen kaufe (dann habe ich das volle Sortiment an Materialien) oder die Contus Stangen kaufe. Mir ist beides Recht. Aktuell fokussiere ich mich erstmal aufs Design.
Ulle hat geschrieben:Stange aus Karbon.
Letztes Jahr haben wir uns diesem Thema angenommen. Wir hatten das Glück, das wir einen Hersteller gefunden haben, der daran Interesse hatte und uns immer wieder Muster zugeschickt hat. Es waren Rohre Vollmaterial ist zu teuer. Aber leider kamen wir zu keinem guten Ergebnis. Ich hätte es auch nicht gedacht, aber die Stangen halten nicht die geforderten Belastungen aus.
Es ist tatsächlich nicht einfach Karbonstangen zu verwenden. Ob Karbon als Sichtelement oder als Funktionswerkstoff verwendet wird, sind zwei Welten. Letzterer ist eine eigene Wissenschaft. Hierbei geht es um Lagenbau, Lagendicke, Fasertypen, Faserausrichtung, Harzmodifikation, Simulation der Belastungen, mögliche Herstellverfahren, etc. zu entwickeln. Ich arbeite in eines dieser grob aufgelisteten Bereiche.
Allein der Lagenaufbau ist wahnsinnig wichtig, damit die Kräfte übertragen werden können. Bidiagonale Fasern (Faser in zwei Diagonalrichtungen) überträgt Torsionskräfte und unidirektionale Fasern beeinflusst die Biegesteifigkeit. Man wird einige wechselnde Lagen und passendes Harz verwenden müssen, um die gewünschten Eigenschaften zu bekommen. Bei 16mm Durchmesser nicht einfach, aber ich vermute nicht unmöglich.

Was war denn bei euch das Problem? War die Stangen zu flexibel oder sind sie vielleicht gebrochen, etc.?

Ulle
Beiträge: 282
Registriert: 30.01.2007, 20:28
Status: Hobbyspieler
Wohnort: Mühltal
Kontaktdaten:

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Ulle » 17.03.2017, 11:30

Stangen waren zu flexibel oder sind gebrochen. Keine Stange hat die Belastung von 65kg auf einem Meter standgehalten.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 17.03.2017, 15:09

65 kg ist natürlich echt heftig. Ist das der Standard Test?

Habe jetzt mein Testlaminat angefertigt. Muss noch bis morgen aushärten und dann mal schauen.

Ulle
Beiträge: 282
Registriert: 30.01.2007, 20:28
Status: Hobbyspieler
Wohnort: Mühltal
Kontaktdaten:

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Ulle » 17.03.2017, 15:51

Ja 65 sollten schon drin sein. Tische wiegen ca. 120kg. Und diese werden beim Schuß teilweise angehoben. Besser wäre natürlich 70kg.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 17.03.2017, 18:23

Gut zu wissen. Naja. Ich wollte Karbon eh nur aus Designgründen anbringen. Die Idee mit Karbonstangen kam ja von Kriz;-)
Ich bin erstmal total gespannt wie gut es auf dem Holz hält und vor allem wie es sich bearbeiten lässt.

Alterdepp
Beiträge: 4
Registriert: 16.03.2017, 13:01
Kickertisch: Eigenbau
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Alterdepp » 18.03.2017, 09:16

Hallo, also ich habe bei Stangen auch schon das eine oder andere ausgetestet.
Selber poliert und verchromen lassen u.s.w..
Leute, vergesst es einfach. Ihr kriegt das nie so hin, wie Ihr es für ein paar Tacken aus dem Handel bekommt.
Die Contus L4 sind die besten Stangen, die es für Geld zu kaufen gibt.
Fertig. Die sind aus 42CrMo4 und vergütet, was besseres gibt es für dieses Geld nicht.
Und wenn Ihr tatsächlich dann Stangen aus feinstem Werkzeugstahl machen wollt, bitte.
Würde sagen, 100 € pro Stück. Oder mehr !
Auch die Stangen von Ullrich oder LEO(nhardt) sind spitze.
Besser geht nicht, zumindest nicht für dieses Geld.
Übrigens, Vollmaterial ist stabiler wie ein Rohr ( Hohlstange ).
Dann, Karbonstange. Hm. Wozu ? Wenn das technisch machbar wäre, Karbon als Gleitpartner, dann gäbe es schon Karbonfedergabeln im MTB oder Motorradbereich.
Garantiert. Aber das haben selbst die noch nicht hin bekommen. Also lasst es.
Karbonplatten als Korpusbeschichtung ??
Ich würde mir besser ein HPL ( Hochdrucklaminat, besser bekannt als RESOPLAL ) in Karbonoptik machen lassen.
Das geht ! Du kannst alles gedruckte, Plakate oder Fotos, in ein HPL reinpacken lassen.
Ich meine, ich hätte so etwas sogar schon mal als Muster von einem HPL Hersteller gesehen.
Das gibt es also sogar "serienmäßig". Es gibt in diesem Bereich übrigens massenhaft Dekore, Betonoptik, Tränenblechoptik, Blümchen, Titten, was weiß ich.
Warum HPL ? Wegen den Spieleigenschaften, dem Bandenwinkel, dem Sound, wegen allem.
So...hoffe ich konnte helfen.

Alterdepp
Beiträge: 4
Registriert: 16.03.2017, 13:01
Kickertisch: Eigenbau
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Alterdepp » 18.03.2017, 09:55

Noch was.
Wenn Du tatsächlich die absoluten high end Stangen machen willst kannst Du ja Federstahl verwenden.
Da gibt es Werkstoffe bis 1800 N/mm 2.
Aber mit 16mm Durchmesser wohl nur als Vollmaterial.
Und um an das Zeug ran zu kommen muss man einen kennen, der in so einer Fa. ( z.B. Eibach ) arbeitet und das irgendwie rausschmuggeln kann.
Weil dort kaufen wird schwierig.
Und dann ist das Zeug ja auf einem Coil aufgewickelt, das muss also erst mal gerade gemacht werden.
Gerichtet werden. Schwierig. Und dann noch polieren und beschichten.
Beschichtungen gibt es in allen Farben und Eigenschaften. Oft härter als Chrom.
Z.B. Titannitrid. Ist dann golden. Damit werden Bohrer und Fräser beschichtet. Würde dann natürlich klasse rauskommen.
Das wäre noch die beste Lösung, wenn Du einzigartige Stangen möchtest.
Einfach schon fertige Stangen im Fachhandel kaufen und noch mal individuell beschichten lassen.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 19.03.2017, 10:04

Dass Hohlwellen mit 16mm Durchmesser schwer zu beschaffen und sonst nur Vollwellen verfügbar sind habe ich auch festgestellt. Das habe ich grob in den letzten Posts versucht zu beschreiben. Es war dennoch interessant hier mal reinzuschauen. Danke übrigens für deine Infos bzgl. der Contus Stangen.

Bzgl. Karbon als Gleitpartner muss ich jetzt deine Aussage etwas genauer nehmen, da wir jetzt in meinem Arbeitsbereich sind. Wenn gemeint war, dass es bisher keine Karbonfedergabel gibt mit einer Führung aus Karbon, da es die Belastungen eines Fahrrads nicht aushält, mag das vielleicht sein. Wenn gemeint war, dass Karbon allgemein sich nicht als Gleitpartner (Gleitgegenkörper) eignet, kann ich dir sagen, dass es nicht so ist. (Kurze) Karbonfasern in Kombination mit weiteren Füllstoffen werden als Gleitmaterial in der Industrie in Hochleistungssystemen täglich eingesetzt. Man sieht es nur nicht, weil es oft kurze oder sogar gemahlene Fasern sind, die in einer Polymermatrix vermischt sind. Das Matrixsystem ist auch nicht immer ein Harz. Oft werden Thermoplaste eingesetzt, da diese schneller in größeren Massen herzustellen sind.
BTW: Ich plane nicht Karbonstangen einzusetzen.

Bzgl. Karbon auf dem Korpus: Ich finde, dass echtes Karbon einfach schöner aussieht. Ich weiß, dass HPL in vielen Tischkickern eingesetzt wird (siehe meine ersten Posts). Ohne nachzuschauen, was HPL ist oder wie es hergestellt wird, müsste das m.E. ein einfaches Harzsysten auf einer Trägerplatte/-folie sein, das unter Druck ausgehärtet wird. Der Druck wird vermutlich mechanisch oder durch eine Art Autoklaven aufgebracht.
Ich plane ebenfalls ein Harzlaminat auf den Holzplatten aufzubringen. Anstatt einer bedruckten Folie, werde ich halt ein Karbongelege verwenden. Aushärten würde ich das Laminat in einem Vakuumsack (kein Hochdruck, aber immerhin ca. 1bar). Die Oberfläche auf der Spielfeldseite könnte man ggf. mit einem Sandstrahler anpassen.

Alterdepp
Beiträge: 4
Registriert: 16.03.2017, 13:01
Kickertisch: Eigenbau
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Alterdepp » 20.03.2017, 11:26

Das faserverstärkte Polymergleitlager schon lange Stand der Technik sind zeigen Produkte von IGUS, INA oder GMC.
Es ist irgendwie absurd, warum also nicht auch Kunststoff auf Stahl laufen soll.
Der Kunststoff also als sich bewegender Partner. Nimmt man einen Kunststoffblock auf einer Stahlplatte, dann geht es.
Wenn aber der weichere Partner der Längere ist und über eine harte Kante, den Beginn der Lagerhülse, rübergezogen wird, das Ganze auch noch unter Belastung, so wird die Oberfläche eingedrückt und abgeschält, weggespant.
Schon verrückt, wenn man doch die Oberfläche mancher Gleitlager schon mit dem Fingernagel eindrücken und wegkratzen kann, die Dinger aber mega Belastungen aushalten, wenn der Gegenpart gehärteter und geschliffener ist.
Und die Matrix von so Karbonstangen ist halt rel. weich, auch wenn die hier verwendeten Epoxidharze die besten Festigkeitswerte haben.
Aber hart und gleichzeitig zugfest ist im Kunststoffbereich eher selten. Und wenn, siehe PEEK, bald unbezahlbar.
Das gleiche gilt für die Karbonplatten.
Eine HPL Oberfläche ist super hart, aber spröde.
Und diese Härte ist dann auch verantwortlich für die Spieleigenschaften, den Abprallwinkel und Geschwindigkeit, ja sogar noch für den Sound.
Ich würde mir keinen Tisch bauen, der nicht annähernd die Spieleigenschaften eines Standardtisches hat.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 20.03.2017, 15:51

Alterdepp hat geschrieben:Das faserverstärkte Polymergleitlager schon lange Stand der Technik sind zeigen Produkte von IGUS, INA oder GMC.
Es ist irgendwie absurd, warum also nicht auch Kunststoff auf Stahl laufen soll.
Der Kunststoff also als sich bewegender Partner. Nimmt man einen Kunststoffblock auf einer Stahlplatte, dann geht es.
Wenn aber der weichere Partner der Längere ist und über eine harte Kante, den Beginn der Lagerhülse, rübergezogen wird, das Ganze auch noch unter Belastung, so wird die Oberfläche eingedrückt und abgeschält, weggespant.
Schon verrückt, wenn man doch die Oberfläche mancher Gleitlager schon mit dem Fingernagel eindrücken und wegkratzen kann, die Dinger aber mega Belastungen aushalten, wenn der Gegenpart gehärteter und geschliffener ist.
Und die Matrix von so Karbonstangen ist halt rel. weich, auch wenn die hier verwendeten Epoxidharze die besten Festigkeitswerte haben.
Aber hart und gleichzeitig zugfest ist im Kunststoffbereich eher selten. Und wenn, siehe PEEK, bald unbezahlbar.
Das gleiche gilt für die Karbonplatten.
Es vermischen sich hier einige Aussagen. Daher versuche es mal auseinander zu halten.
Faserverbundwerkstoffe funktionieren, weil es eine Kombination aus Werkstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften ist. Daher gibt es diesen Arbeitsbereich Verbundwerkstoffe, um die Vorteile der einzelnen Materialgruppen verfügbar zu machen. Polymermatrizen, auch PEEK, sind generell weich gegenüber Metallen. Durch chemische Additive kann daran ein wenig gemacht werden, aber es sind in der Regel Füllstoffe wie Fasern und Partikel, die die Härte und die Festigkeit (und auch Reib- und Verschleißverhalten) beeinflussen. Insbesondere die Zugfestigkeit ist von der Geometrie, Art und Ausrichtung der Fasern abhängig. Das erwähnte PEEK ist zwar insgesamt fester und härter als bspw. ein PA, aber sehr weich gegenüber Stahl. Auch hier kommt es eher auf die Füllstoffe an. PEEK ist ein Hochtemperaturwerkstoff, den man bei Anwendungen über 160˚C und höher einsetzt. Außerdem quellt es nur wenig unter Medieneinfluss von Öl und Wasser. Das sind die Hauptgründe PEEK einzusetzen. Ansonsten gibt es noch PPS, was ähnlich stark sein kann, aber schwerer zu verarbeiten ist (ebenfalls wichtiges Auswahlkriterium) oder darüber LCP, PEKK, etc.. In der Industrie angekommen sind bisher nur wenige Matrizen. Allgemein kann man sagen, dass die Auswahl der Matrix von der Temperatur, dem Umgebungsmedium, der Maßhaltigkeit und natürlich dem Preis abhängig ist. Die angeforderten Eigenschaften werden durch Komposition von Füllstoffen angepasst. Das aktuell stärkste Matrixmaterial (bzgl. Temperatur) ist m.E. Polybenzimadazol, kurz PBI.
Alterdepp hat geschrieben: Eine HPL Oberfläche ist super hart, aber spröde.
Und diese Härte ist dann auch verantwortlich für die Spieleigenschaften, den Abprallwinkel und Geschwindigkeit, ja sogar noch für den Sound.
Ich würde mir keinen Tisch bauen, der nicht annähernd die Spieleigenschaften eines Standardtisches hat.
Ich stimme dir zu, dass die Härte die Spieleigenschaften beeinflussen. Ich finde, man muss aber folgendes bedenken:
1. HPL "besteht aus mehreren Papierbahnen, Kern- und Dekorpapier, die mit Harz imprägniert unter Hitze und hohem Druck zwischen strukturgebenden Stahlblechen zu einer homogenen Platte verpresst" wird (Quelle: Homepage Resopal). Es ist also wie bereits vermutet ein Harz, das auf ein Trägerpapier laminiert wird.
2. die Standarddicke von HPL beträgt 0,8mm (gleiche Quelle wie oben). Mechanische Eigenschaften wie Härte sind sehr dickenabhängig. Folglich wird die Härte des Materials in diesem Fall maßgeblich durch das sogenannte Substrat beeinflusst (hier: Holz). Es wird ein maßgeblichen Unterschied geben, ob man HPL auf Multiplex oder auf MDF verklebt, d.h. die Art des Substrates ist wichtig.

Daher sehe in aktuell keinen Grund es nicht zumindest auszuprobieren zumal es einfach Spaß macht.
Ich werde im nächsten Post die Ergebnisse vom ersten Quick and Dirty Laminat zeigen.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 20.03.2017, 16:39

Am Wochenende habe ich angefangen Vorversuche zu machen und mein erstes Laminat hergestellt. Es war tendenziell sehr unkonventionell, da ich fast nichts da hatte, aber wissen wollte, ob es grundsätzlich funktioniert.

Verwendete Materialien:
- Schnittreste Karbongewebe 160g/m2 (Koeper)
- 400x400 mm2 Fichtenleimholzplatte
- Epoxidharz (HP-E45KL)
- ein Vakuumsack aus dem Möbelladen (eigentlich zum vakuumieren von Klamotten)
- PE Folie
- Küchenpapier

Prinzipiell habe ich ein Handlaminat gemacht und es im Vakuumsack ausgehärtet. Der einfache Vakuumsack sorgt dafür, dass durch den Umgebungsdruck das Faser-Harz-Härter-Paket auf die Holzplatte gedrückt wird (bis zu 1bar). Dabei bin ich wie folgt vorgegangen:
1. Harz und Härter (HH-Gemisch) angerührt.
2. Holzplatte mit HH-Gemisch dünn aufgetragen.
3. Karbongewebe darüber plaziert und das HH-Gemisch mit einem Holzspatel auf dem Gewebe verteilt.
4. PE Folie auf das Gewebe gelegt und mit einem Lackierroller angepresst.
5. 6 Schichten Küchenpaper auf die Folie verteilt. Das Küchenpapier soll ein Saugvlies ersetzen.
6. Schritt 2-5 auf der anderen Brettseite wiederholt.
7. Das ganze Paket in ein Vakuumsack gelegt, verschlossen und mit einem Staubsauger Vakuum gezogen.

Nach dem Aushärten wurde das Laminat in kleinere Stücke gesägt, um verschiedene Tests zu machen.
Bild

Seitlich sieht man deutlich dass ich das Töpfchen Harz nicht auf beiden Seiten gleich verteilt habe. Die untere Schicht ist deutlich dicker. Das Material wurde mit einer Stichsäge gesägt. Man sieht deutliche Verfärbungen durch Hitze am Holz. Wenn man allerdings schneller sägt, wird der Schnitt schief. Ergo: Es müssen schärfere Sägeblätter her und die Schnittgeschwindigkeit sollte deutlich langsamer sein.
Bild

Im letzten Bild erkennt man links ein geschliffenes Stück Laminat VS ein unbearbeitetes Laminat. Geschliffen sieht es m.E. besser aus. Das wäre aber viel Zeit am finalen Brett. Man erkennt auch beim unbearbeiteten Laminat, dass es Poren gibt und dass manche Fasern nicht getränkt wurden.
Bild

Mein Fazit:
Das Laminat hält, war aber nicht ausreichend getränkt und es hat noch Poren. Folgendes sollte man ändern:
1. Das verwendete Harz ist ein mittelviskoses Universalharz und sollte durch was niedrigviskoses ersetzt werden. Da nur Sichtkarbon laminiert werden soll, müsste das günstigste reichen.
2. Pro Holzseite ein HH-Gemisch anrühren, damit auf beiden Seiten eine gleich viel Harz verwendet wird und somit gleich dicke Schichten entstehen.
3. etwas großzügiger die Menge des HH-Gemisches bemessen. War insgesamt etwas knapp (200g/m2). Die Ränder waren so gut wie nicht getränkt.

Alterdepp
Beiträge: 4
Registriert: 16.03.2017, 13:01
Kickertisch: Eigenbau
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Alterdepp » 21.03.2017, 13:36

Also ich kenne fast keinen Kunststoff, der bessere mechanische Eigenschaften hat, also auch eine hohe Zugfestigkeit, als PEEK.
Die hohe Temperaturtoleranz ist logisch, da das Zeug mal als Bügeleisenbeschichtung entwickelt wurde.
Ein Kumpel war daran beteiligt.
Aber wie bei Viagra, die wahre Bestimmung kommt erst beim Test raus.
Bez. Deiner Probleme mit der unbefriedigenden Oberfläche Deines Testlaminats:
Die Phenolharze für HPL werden als dünne Platten oder Folien angeboten.
Damit verkleinert sich das Problem der schlecht getränkten oberen Schichten.
Zudem ist Kohlefaser ein Sägeblattkiller.
Ziemlich absassiv. Einfach öfter das Blatt auswechseln und immer
ein neues verwenden.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 21.03.2017, 18:01

Alterdepp hat geschrieben:Also ich kenne fast keinen Kunststoff, der bessere mechanische Eigenschaften hat, also auch eine hohe Zugfestigkeit, als PEEK.
Die hohe Temperaturtoleranz ist logisch, da das Zeug mal als Bügeleisenbeschichtung entwickelt wurde.
Ein Kumpel war daran beteiligt.
Aber wie bei Viagra, die wahre Bestimmung kommt erst beim Test raus.
Bez. Deiner Probleme mit der unbefriedigenden Oberfläche Deines Testlaminats:
Die Phenolharze für HPL werden als dünne Platten oder Folien angeboten.
Damit verkleinert sich das Problem der schlecht getränkten oberen Schichten.
Zudem ist Kohlefaser ein Sägeblattkiller.
Ziemlich absassiv. Einfach öfter das Blatt auswechseln und immer
ein neues verwenden.
PEEK wurde von den Briten um 1980 von der Firma ICI entwickelt. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass PEEK ursprünglich als Bügeleisencoating entwickelt wurde. PTFE (Teflon) gab es schon (seit etwa 1940) und ist viel billiger und hat bessere Eigenschaften für solche Anwendungen.

Bzgl. mechanische Eigenschaften gibt es einige, die besser sein müssten als PEEK, z.B. Polyetherketon (PEK), Polyetherketonketon (PEKK), Polyamidimid (PAI), Polyimid (PI) und wieder mal Polybenzimadazol (PBI). Leider sind viele dieser Materialien sehr marktunüblich. Ich arbeite aktuell mit viel mit PAI und Polyetherimid (PEI).

Die Phenolharze, die ich kenne sind leider noch giftiger als die Epoxidharze, die ich verwende. Daher ist das für mich zu Hause im Keller keine Option, obwohl die merkbar billiger sind. Letzteres ist der Hauptgrund, warum Phenolharze in der Industrie viel verwendet werden (außer bei Hochlastbauteile).
Dass C-Fasern abrasiv sind, kenne ich auch von der Arbeit, wobei ich persönlich mit der Verarbeitung nichts zu tun habe. Soweit ich weiß, benutzen wir Diamantkreissägen. Das ist für den Privatgebraucht allerdings etwas heftig in der Anschaffung.

Ich werde heute Abend meine Sandstrahlergebnisse zeigen. Sind etwas ernüchternd.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 21.03.2017, 19:36

Endlich zu Hause.

Ich habe noch ein paar Schnittversuche gemacht. Man muss sehr vorsichtig und langsam das Sägen angehen. Dann geht es ganz ok.
Hier nochmal ein Bild von der Originaloberfläche nach dem Laminieren (Raw) und nach dem Schleifen (Polished)
Bild

Weiterhin habe ich zwei Oberflächen sandgestrahlt, eine direkt (Sanded) und eine nach vorherigen Schleifen (Polished + Sanded).
Bild
Sandgestrahlt sieht das echt nicht mehr hübsch aus, d.h. es sollte eines der oberen zwei Versionen sein.

Dieses Wochenende würde ich gerne nochmal ein Laminat machen, aber statt einer Vakuumfolie direkt auf der Oberfläche werde ich eine Aluplatte dazwischen legen. Auf der einen Seite werde ich die Aluplatte sandstrahlen und die andere polieren. So ähnlich wird auch Resopal hergestellt. Wenn das neue, niedrigviskose Harz rechtzeitig ankommt, kann ich das gleich mittesten. Das Ergebnis sollte eine recht brauchbare Oberfläche liefern.

Jim
Beiträge: 38
Registriert: 10.03.2017, 10:03
Status: Kneipenspieler

Re: Sichtkarbon auf Korpus

Beitrag von Jim » 02.04.2017, 16:12

letzte Woche gabs ein kleines Zwischenprojekt, weshalb ich erst diese Woche meine zweite Testplatte machen konnte.
Aufbau wie oben, aber mit einer Aluplatte als Andrückplatte. Harz ist noch das mittelviskose Zeug. Die Ergebnisse sehen wie folgt aus.
Polierte Aluplatte ohne Nachbearbeitung:
Bild

Sandgestrahlte Aluplatte ohne Nachbearbeitung:
Bild

Die Oberflächenqualität ist gut und gefällt mir. Die restlichen Poren werden verschwinden, wenn mittelviskoses Harz und ein vernünftiges Vakuum aufgebaut wird. Das wird dann der letzte Vorlauftest sein.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste